Ist es zulässig, Werbebanner von (illegalen) Online-Casinos oder Sportwetten auf einer privaten Homepage zu platzieren?
Werbung ist ein zentraler Punkt hierbei – wir zeigen, welche Werbemaßnahmen erlaubt sind und welche nicht.
- Social-Media-Kampagnen auf Plattformen wie Instagram und Facebook
- Einsatz von Influencern zur Bewerbung von Casino-Apps
- Gewinnspiele und Challenges zur Kundenakquise auf TikTok
- Gezielte Werbung in Stories und als bezahlte Beiträge
Gemäß § 5 Abs.
Glücksspielverband klagt gegen Tipico
"Wir sind unglücklich über die Ungleichbehandlung", sagt daher auch Jan Bolz, Chef des Sportwettenanbieters Tipico, nicht ohne Grund. Erschwerend hinzu kommt für die privaten Anbieter, dass etliche Details der Werberichtlinie so schwammig formuliert sind, dass eine verlässliche Einschätzung der Rahmenbedingungen kaum möglich ist. "Trikot- und Bandenwerbung für Sportwetten ist lediglich in Form der Dachmarkenwerbung zulässig", heißt es etwa an einer Stelle. In der Vergangenheit waren dem staatlichen Anbieter von Sportwetten, Oddset, derlei Werbemaßnahmen untersagt worden. Oddset war daraufhin auf Werbekampagnen unter der Dachmarke Lotto umgeschwenkt.
Mit Werberichtlinie soll Graumarkt ausgetrocknet werden
"Der Passus in der Richtlinie hört sich so an, als wolle man diese Umgehung im Nachhinein legitimieren", cas neue online casinos mit startguthaben ohne einzahlung österreich mutmaßt ein Branchenexperte. So oder so dürften die auf 18 Seiten erläuterten Werberestriktionen das erwünschte Austrocknen des Grau- und Schwarzmarktes deutlich erschweren: "Legale Angebote können nur dann den illegalen Anbietern Marktanteile abnehmen, wenn sie auch werben dürfen", resümiert VDZ-Geschäftsführer Christoph Fiedler. Ohnehin steht die neue deutsche Glücksspielregelung auf tönernen Füßen: Seitens der EU-Kommission etwa hat man bereits Zweifel angemeldet, ob die Beschränkung der Sportwettenlizenzen auf 20 gerechtfertigt ist; etwaige Störfeuer aus Brüssel sind daher nicht auszuschließen. Schon der letzte Glücksspielstaatsvertrag war in der EU auf Widerstand gestoßen. Der Europäische Gerichtshof hatte im Herbst 2010 das deutsche Glücksspielrecht für unzulässig erklärt. 1 GlüStV 2021 dürfen Anbieter mit einer gültigen Lizenz für ihre erlaubten Glücksspiele werben.
| Werbeclaim / Slogan | Anbieter / Produkt | Vermittelte Botschaft | Rechtliche Bewertung (Risiko) |
|---|---|---|---|
| "Dein Spiel, deine Verantwortung." | Staatliche Lotterie | Spielerautonomie, Eigenverantwortung | Unkritisch, da Verantwortung betont wird. |
| "Die Quoten sind bei uns am höchsten." | Sportwettenanbieter | Bester Wert, finanzieller Vorteil | Kritisch, muss nachweisbar und nicht irreführend sein. |
| "Willkommen im Gewinnparadies." | Online-Casino | Positive Emotion, leichte Gewinnerwartung | Sehr kritisch, kann Suchtrisiko verharmlosen. |
| "Sicher spielen. Staatlich lizenziert." | Verschiedene lizenzierte Anbieter | Legitimität, Vertrauen, Sicherheit | Unkritisch, da faktisch korrekt und beruhigend. |
| "Kick off your bet!" | Sportwettenanbieter | Aktion, Spannung, Start eines Events | Mittel, Ansprache von Sportfans ist erlaubt. |
Solche Anbieter sind, wie zum Beispiel Löwen Play, über ein GGL-Siegel und Hinweise in der Fußzeile zu erkennen. Diese Werbung muss jedoch immer den Zielen des § 1 GlüStV 2021 entsprechen und darf nicht irreführend sein oder zur Teilnahme an illegalem Glücksspiel animieren.
Google unterstützt Werbeverbote
Ein Dorn im Auge war den Richtern damals vor allem die mangelnde Kohärenz der Regelung. So wurde das staatliche Monopol auf Lotto und Sportwetten damit begründet, dass staatliche Anbieter die Bürger am besten vor Spielsucht schützen können. Das ungleich suchtgefährdendere Automatenspiel durfte weiter von privaten Anbietern abgewickelt werden. Die Werbung für Glücksspiele in Deutschland unterliegt strikten gesetzlichen Regelungen, die im Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) festgelegt sind. Ziel der Bestimmungen ist es, ein legales Glücksspielangebot zu schaffen, das den Spielbetrieb in geordneten Bahnen ablaufen lässt. Insbesondere ist es untersagt, die Werbung an Minderjährige oder vergleichbare gefährdete Zielgruppen zu richten. Es darf nie der Eindruck erweckt werden, dass Glücksspiel eine Lösung für finanzielle Probleme darstellen kann.
| Zielgruppe | Präferierte Kanäle | Typische Werbebotschaft / Motiv | Besondere rechtliche Auflagen |
|---|---|---|---|
| Sportinteressierte (v.a. Männer 18-49) | Sport-TV, Sport-Websites, Fußball-Podcasts | Quoten, Live-Wetten, "Dabeisein"-Gefühl | Warnhinweise bei Sportevents prominent |
| Casino-Spieler (gemischte Altersgruppen) | Unterhaltungs-TV, Lifestyle-Magazine, Online-Video | Unterhaltung, Spannung, Jackpot-Träume | Klare Suchtpräventionshinweise |
| Lottospieler (breite Bevölkerung) | Tageszeitung, Radio, Außenwerbung (Plakate) | Traum vom großen Geld, Gemeinschaft (Klasse) | Transparenz der Gewinnchancen |
| E-Sports-Enthusiasten (jünger) | Twitch, Gaming-Websites, E-Sports-Streams | Wetten auf E-Sports-Matches, Skin-Betting | Strikte Alterskontrolle, keine Jugend-Idole |
Beispiel: Irreführend ist Glücksspielwerbung beispielsweise dann, wenn zu hohe oder unrealistische Gewinne sowie absurde Versprechungen gemacht werden.
- App-Store-Optimierung (ASO) für Casino-Apps
- Push-Benachrichtigungen über aktuelle Promotionen auf dem Smartphone
- Werbeanzeigen in anderen mobilen Apps und Spielen
- SMS-Marketing mit direkten Links zum Anbieter
In diesem Fall unterliegt die Werbung einem Verbot und Sie sollten diese melden, wenn Ihnen ein unseriöser Anbieter auffällt. Für bestimmte Arten von Glücksspiel gelten zeitliche Restriktionen, was die Ausstrahlung angeht. So ist beispielsweise Werbung für Online-Glücksspiele, virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele im Fernsehen und Internet zwischen 6 Uhr und 21 Uhr verboten (§ 5 Abs. 2 GlüStV 2021). Diese Regelung dient dazu, Minderjährige und andere gefährdete Gruppen vor einer unrechtmäßigen Beeinflussung zu schützen. Der Rundfunk darf entsprechende Werbespots also nur nach 21 und vor sechs Uhr ausspielen. Jede Ausstrahlung muss zudem aufgezeichnet und auf Verlangen der Aufsichtsbehörde vorgezeigt werden.
| Zeitpunkt / Ereignis | Regulatorische Änderung | Auswirkung auf Werbung | Umsetzung in der Praxis |
|---|---|---|---|
| Juli 2021 | Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV 2021) | Werbung nur noch für lizenzierte Anbieter erlaubt. Warnhinweise werden Pflicht. | Abmahnwelle gegen nicht-lizenzierte Werbung. Neue Gestaltung aller Spots. |
| Januar 2023 | Vollständige Marktregulierung für Online-Casinos & Poker | Erweiterter Kreis werbender Anbieter (nun auch Online-Casinos). | Zunahme von Casino-Werbung, aber mit strengen Auflagen. |
| Oktober 2024 | Verschärfung der Social-Media-Richtlinien durch die GGL | Klarere Regeln für Influencer-Marketing und Zielgruppenfilter. | Rückgang von Werbung durch Mikro-Influencer, mehr Compliance-Checks. |
| Geplant 2026 | EU-Review der Werbebeschränkungen (Beihilfeverfahren) | Mögliche Lockerung oder Angleichung an EU-Recht. | Ungewiss, Branche hofft auf Liberalisierung. |
Im Internet gelten separate Regelungen für die Ausstrahlung von Glücksspielwerbung. Sie darf beispielsweise nicht auf Webseiten platziert werden, die überwiegend von Minderjährigen besucht werden. Zudem ist sicherzustellen, dass die Inhalte auf den sozialen Medien nicht absichtlich vermehrt an Minderjährige ausgespielt werden. Affiliate-Marketing ist grundsätzlich zulässig, allerdings müssen die Affiliates sicherstellen, dass es sich um einen lizenzierten Anbieter handelt, welcher die gesetzlichen Bestimmungen einhält.
4. Februar 2016
Glücksspielanbieter (außer der staatlichen Lotterie) dürfen seitdem keine TV- und Radioprogramme oder Sportevents sponsern. Wer es doch tut, muss mit einer Strafe von mindestens 50.000 Euro rechnen. 2022 wurde bereits Alphabet, der Konzern hinter Google, wegen versteckter Glücksspielwerbung zu einer Strafe von 750.000 Euro verurteilt. In Deutschland fordert ein solches Verbot unter anderem der Bremer Senator Ulrich Mäurer. Institutionen wie die Deutsche Fußball Liga und die Sportschau könnten sich selbst dazu verpflichten, nicht mit Sportwettenanbietern zusammenzuarbeiten.
Du willst etwas bewirken?
Die englische Zeitung The Guardian macht es seit 2023 vor: Sie veröffentlicht auf ihrer Seite keine Form von Glücksspielwerbung mehr. Sie betreibt sogar ein eigenes Portal für Sportwetten. In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen spielsüchtig oder zeigen ein problematisches Glücksspielverhalten. Mit einem neuen Glücksspielgesetz wollte die Politik den Markt für private Anbieter öffnen. Aber laut Planungen sollen Firmen ihre Werbekampagnen von einer Behörde absegnen lassen.
Sponsoren-Werbung und Dachmarkenwerbung
Nach jahrelangen, erbitterten Kämpfen um die Ausgestaltung des neuen Glücksspielstaatsvertrags haben fast alle Bundesländer das umstrittene Regelwerk unterzeichnet. Doch schon bevor es seine Wirkung überhaupt entfalten kann, zieht bereits neuer Ärger auf: Nach Informationen von "Welt Online" plant die Politik massive Werbebeschränkungen, die allem voran die privaten Glücksspielanbieter auf die Barrikaden bringen. Größter Stein des Anstoßes ist für die Unternehmen, dass einer neuen Werberichtlinie zufolge Marktteilnehmer künftig einzelne Werbemaßnahmen etwa für das TV oder im Internet bei einer Glücksspielbehörde vorlegen sollen – die dann über die Zulässigkeit derselben entscheiden kann. In den Augen der Wirtschaft kommt dies einer Zensur gleich; entsprechend hitzig sind die Reaktionen: Eine Einzelfallvorlage von Werbemaßnahmen sei inakzeptabel, wettert etwa Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien VPRT. "Würde dieser Entwurf umgesetzt, würde das zu einer Zensur der Werbung im Rundfunk oder anderen Medien durch die Hintertür des Glücksspielrechts führen." Auch Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), lehnt eine inhaltliche Einzelfallprüfung von Werbung durch die Aufsichtsbehörden der Länder entschieden ab. Übrigens: Auch Influencer müssen sich an die Werberichtlinien halten und haben keinen Gestaltungsspielraum. Die Werbung darf also ebenfalls nur zwischen 21 und sechs Uhr ausgespielt werden, zudem dürfen nur lizenzierte Anbieter beworben werden. Kann die Einhaltung nicht gewährleistet werden, ist ein Verbot der Werbung zulässig.
Konsequenzen bei Verstößen gegen den GlüStV
"Sie wäre aufgrund des grundgesetzlichen Zensurverbots nicht verfassungskonform", so Wolff. Deutschland habe in Brüssel völlig zu Recht gegen eine europäische Zensur der gesundheitsbezogenen Lebensmittelwerbung gekämpft, wundert sich indes Christoph Fiedler, Geschäftsführer Medienpolitik beim Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Umso unverständlicher sei, dass man diese nun bei Sportwetten freiwillig einführen wolle, so Fiedler. "Auch ohne Zensurbehörden kann man diese Werbung gut regeln." Verfassungsrechtler Ronald Reichert schließlich verweist auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, demzufolge Werbung als Meinungsäußerung zu verstehen sei: "Deshalb ist eine Zensur juristisch höchst problematisch", sagt er. Insgesamt würde die Werberichtlinie Branchenbeobachtern zufolge das eigentliche Ziel des neuen Glücksspielstaatsvertrags – eine kontrollierte Öffnung des Marktes – unterminieren.
Verbotene Gewinn- und Glückspiele
Mit Verweis auf die Spielsuchtgefahr hatte die Politik das Lotto- und Sportwettenspiel 2008 unter staatliche Obhut gestellt. Dies hatte jedoch für den Staat unliebsame Folgen nach sich gezogen, weil ein erklecklicher Graumarkt entstand. Statt die staatlichen Angebote zu nutzen, zogen die Sportwettfans in Scharen zu ausländischen Anbietern ab – wodurch einerseits die erwünschten Kontrollmöglichkeiten ausblieben, Bund und Ländern andererseits Steuergelder im großen Stil abhanden kamen. Während das Land Schleswig-Holstein voranging und bereits im vergangenen Jahr ein eigenes, auf einem Lizenzmodell basierendes Glücksspielgesetz verabschiedete, hat man sich inzwischen auch im Rest der Republik auf eine Teilprivatisierung des Glücksspielmarkts geeinigt: Das Lotto verbleibt im Monopol, der Lottovertrieb darf weiterhin von privaten Anbietern abgewickelt werden. Darüber hinaus vergibt der Staat insgesamt 20 Lizenzen für Sportwettenanbieter.
Die magie des casinos: ein abenteuer voller nervenkitzel
Ob und wie viele sich tatsächlich bewerben, dürfte dabei jedoch entscheidend davon abhängen, wie attraktiv die Rahmenbedingungen sind. Die nun vorgesehenen Werberestriktionen dürfte die Begeisterung der potenziellen Lizenznehmer allerdings nicht eben erhöhen. Kritiker monieren, dass der Entwurf für eine neue Werberichtlinie, der "Welt Online" vorliegt, Lotterien und Soziallotterien weniger restriktiv behandele als etwa die Sportwetten. Der Verweis auf die niedrigere Suchtgefährdung des Lottospiels sei nicht überzeugend, heißt es, wenn staatliche Anbieter zeitgleich massiv Werbung betreiben dürften etwa für den neu eingeführten Eurojackpot, der Lottofans mit einem Jackpot mit Gewinnen von bis zu 90 Mio. Euro locke. Verstöße gegen die Werbebestimmungen des Glücksspielstaatsvertrags können sowohl für die Anbieter selbst als auch für die Werbepartner erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Folgen haben.
- Sponsoring von Kulturveranstaltungen und Festivals
- Werbung in Programmheften von Theatern und Konzerthäusern
- Kooperationen mit Film- und Serienstreamingdiensten
- Product Placement in deutschen TV-Produktionen und Reality-Formaten
Die Regulierungsbehörden der Länder sind dafür zuständig, Verstöße zu ahnden und entsprechende Sanktionen zu verhängen. Konkret regelt § 9 Abs. 1 GlüStV 2021, dass Behörden gegen Anbieter, die gegen Werbevorschriften verstoßen, Maßnahmen ergreifen können.